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Wozu braucht die Kirche Musik?

Orgel Waldbreitbach

Eine Hochzeit ohne Musik?
Eine Trauerfeier ohne Musik?
Eine Christmette ohne „Stille Nacht“?
Ein feierlicher Ostergottesdienst ohne „Halleluja“?
Eigentlich undenkbar.

Der Gesang gehörte von Anfang an zum christlichen Gottesdienst. Mehrere Stellen im Neuen Testament sprechen vom Singen der Psalmen, der Antiphonen und Hymnen. Schon der heilige Augustinus schrieb im vierten Jahrhundert: „Wer singt, betet doppelt“. 

Seit zweitausend Jahren wird in Kirchen mit Stimmen und Instrumenten musiziert. Welch mannigfaltige Formen und Werke entstanden sind, mag ein Vergleich zwischen einem gregorianischen Choral, einer Orchestermesse der Klassik und einem modernen Rockoratorium zeigen. 

Nicht nur die Kirchenmusikgeschichte spannt einen riesigen Bogen, sondern im Kleinen auch das Kirchenjahr. 
Zahlreiche Gesänge sind untrennbar mit bestimmten Festen verbunden: „Macht hoch die Tür“ im Advent, „O du fröhliche“ an Weihnachten, „O Haupt voll Blut und Wunden“ in der Passionszeit und das „Halleluja“ an Ostern. 
Mit den Liedern verbinden sich sofort Gedanken, manchmal auch Erlebnisse. So kann ich mich noch heute an das obligatorische „Händel-Halleluja“ des Kirchenchores während meiner Messdienerzeit erinnern. Es dauerte (damals für mich) recht lange, aber jeder fühlte die Osterfreude. 

Gerade in der vor uns liegenden Fasten- und Osterzeit erleben wir begleitend zum dramatischen Geschehen in der Liturgie Musik von großer emotionaler Bandbreite. In unserer Pfarrei hören wir am Palmsonntag den Jubelruf „Jesus zieht in Jerusalem ein, Hosianna“, gesungen vom Kinder- und Jugendchor. An Karfreitag singen die Kirchenchöre aus Kurtscheid und Niederbreitbach eindrucksvolle Stücke wie „Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen?“ und das „Agios o Theos“, ein Klagelied aus dem 7. Jahrhundert. In der Osternacht und am Ostersonntag hören wir festliche Stücke und Lieder vom Mittelalter bis zur Neuzeit. Abgeschlossen wird der musikalische Jubel über die Auferstehung am Ostermontag mit einem Konzert des Kirchenchores Waldbreitbach mit dem freudigen Titel „Halleluja“.

Ich lade sie ganz herzlich zum Mitsingen und Zuhören ein.
Wer singt, betet doppelt. Wer aufmerksam zuhört, sicherlich auch.

Dekanatskantor Peter Uhl

Neuanfang

Kleine Pflanze sprießen aus der Erde

Das neue Jahr ist nun schon wieder einige Wochen alt. Vielleicht haben sie sich zu Beginn des Jahres vorgenommen, einen Neuanfang zu wagen. Einen Neuanfang in Form einer neuen Arbeitsstelle, eines Umzugs, neuer Aufgaben, oder mit guten Vorsätzen. Neuanfänge gibt es viele – kleine und große, geplante und unerwartete. 

Auch in unseren Pfarrgemeinden haben wir einen Neuanfang. Seit dem 01. Januar 2026 gibt es die neue Pfarrei St. Elisabeth Rengsdorf - Waldbreitbach. Auf den ersten Blick scheint sich nicht viel verändert zu haben. Die Pfarrbüros sind weiterhin an ihrem Platz, der Pfarrer ist noch derselbe und als Pfarreiengemeinschaft sind wir bereits seit einiger Zeit miteinander verbunden.

Und doch ist es ein Neubeginn: in einer neuen Struktur, mit einem neuen Namen. Diese Neuerung bringt Verunsicherungen, ist aber auch eine Chance, die wir uns nicht entgehen lassen sollten! Eine Chance, eingetretene und liebgewonnene Pfade bewusst zu verlassen, Neues zu wagen und sich auf Veränderungen einzulassen. Eine Einladung, die eigene Sichtweise zu erweitern, über den sprichwörtlichen Kirchturm hinauszuschauen und gemeinsam Kirche lebendig zu gestalten.

So ein Neuanfang bedeutet nicht, Bewährtes aufzugeben. Es geht vielmehr darum, das Gute mitzunehmen, es weiterzuentwickeln und offen zu sein für neue Ideen, neue Begegnungen und neue Wege des Glaubens. Jede und jeder Einzelne ist eingeladen, sich mit seinen Fähigkeiten, Fragen und Hoffnungen einzubringen. Neues will gemeinsam entdeckt werden! 

Unsere Situation hat Ähnlichkeit mit der der Jünger Jesu: Auch sie standen nach seinem Tod vor einem Neuanfang. Verunsichert und voller Angst wussten sie zuerst nicht, wie es weitergehen sollte. Durch die Auferstehung Jesu und die Kraft des Heiligen Geistes bekamen sie den Mut sich gemeinsam auf den Weg zu begeben. Und sie verkündeten das Evangelium in alle Welt.

Lassen wir uns also ermutigen, diesen Weg gemeinsam zu gehen – im Vertrauen darauf, dass Gott uns bei all unseren Neuanfängen begleitet und segnet.

Erika Knobloch

Bereitet den Weg des Herrn

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„Bereitet den Weg des Herrn!“ (Lk 3,4) Da geht’s nicht nur um unseren eigenen Weg, nicht nur um das, was wir uns ausdenken und zuwege bringen, um mehr als die Summe unserer Erfindungen und Leistungen. Gott hat sich auf den Weg gemacht. Er ist uns entgegengekommen, so entgegenkommend und zuvorkommend, wie er ist. Dafür bürgt ein Name: Jesus Christus. Er ist der Weg. Auf diesem Weg kommt uns Gott entgegen. Auf diesem Weg können wir ihm begegnen. Er führt uns in die Freiheit. Er eröffnet neue Möglichkeiten. Das dürfen wir anderen sagen und selbst gesagt sein lassen: Du hast viel mehr Möglichkeiten, als du ahnst, ganz zu schweigen von den ungeahnten Möglichkeiten Gottes mit dir.

Wenn du nicht weiterkommst und auf der Stelle trittst, wenn du dich verrannt hast oder am Nullpunkt angekommen bist – du brauchst nicht aufzugeben. Gott kommt dir entgegen. Entdecke seine Wege zu dir und zu den anderen. Du kannst ihm den Weg bereiten. Du kannst Steine des Anstoßes aus dem Weg räumen. Du kannst Berge von Vorurteilen abtragen und Täler der Not überwinden helfen. Du kannst einen Weg in die Wüste bauen. Die Welt wird nicht dadurch besser, dass wir sie auf den Kopf stellen und Ausweglosigkeiten breittreten, sondern dass wir gangbare Wege eröffnen.

„Bereitet den Weg des Herrn!“ Wer sich darauf einlässt, der hat alle Hände voll zu tun. Er wird dem Kommen Gottes in seinem alltäglichen Leben den Weg bereiten, mit allen Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen. So bekommt der Glaube Hand und Fuß. Mitten in der Wüste blitzen Signale der Hoffnung auf. Die Welt bleibt nicht so, wie sie ist, neue Möglichkeiten werden sichtbar.

Der Weg des Herrn führt nicht in die Wolken, aber er führt über uns selbst hinaus zu den anderen. Er verbindet Menschen miteinander. Er führt uns ins Freie, in die Freiheit. „Bereitet den Weg des Herrn!“

Diakon Andreas Wies

Hoffnung, die uns trägt

Hoffnung, die uns trägt

Am 26. Oktober begehen wir in diesem Jahr den Sonntag der Weltmission.

Mit dem Begriff der Mission verbinde ich, gedanklich naheliegend, stets das Missionshaus in St. Wendel und die Steyler Missionare, die in diesem Jahr übrigens ihr 150jähriges Gründungsjubiläum feiern. 9 Jahre Schulzeit bis zum Abitur durfte ich dort verbringen, danach noch meine Zivildienstzeit und viele Sonntage an der Orgel der Missionshauskirche. Zahlreiche prägende Erinnerungen, Gespräche und Begegnungen mit Patres, Ordensbrüdern und Steyler Missionsschwestern gingen damit einher. Dies macht mir noch einmal bewusst: Der Glaube kommt vom Hören und Vorleben. Verkündigung und Handeln gehören zusammen. Diese Männer und Frauen haben auf ihre je eigene Art und Weise vorgelebt, wovon sie gesprochen, woran sie geglaubt und auf wen sie gehofft haben. 

Es macht mir weiter bewusst, dass sich Mission zwar in einem fernen Land oder einem fernen Kontinent ereignen kann, aber nicht muss! Mission ereignet sich auch hier bei uns, im Nahbereich. Und zur Klarstellung: Wir alle sind Missionarinnen und Missionare! Wir alle sind Gesandte (das bedeutet nämlich der Begriff, abgeleitet vom lateinischen Wort „mittere“- senden, schicken), haben als getaufte Christinnen und Christen eine Sendung und einen Auftrag. Am Ende jeder heiligen Messe heißt es „Ite, missa est!“, was sinngemäß bedeutet: „Geht, ihr seid jetzt gesendet!“. Von diesem Entlassungsruf leitet sich übrigens das deutsche Wort „Messe“ ab.

Jeder und jede von uns hat die Sendung und den Auftrag von Gott, sein Reich in dieser Welt zu verkünden und aktiv an diesem Reich mitzubauen. Es entsteht überall da, wo wir den Auftrag Jesu erfüllen: „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ (Mk 16,15). Durch unser Reden, unser Handeln, unser Leben, unser Dasein. Und wenn dann Menschen spüren, dass uns eine besondere Hoffnung trägt, dann dürfen wir ihnen als Missionarin oder Missionar auch Rede und Antwort stehen, wie Petrus es in seinem ersten Brief schreibt: „Seid immer bereit, Rede und Antwort zu stehen, wenn euch andere nach der Hoffnung fragen, die euch erfüllt.“ (1Petr 3,15)

Pfarrer Marco Hartmann

Die Welt nicht vergöttern und nicht verteufeln

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Die Welt ist kein Betriebsunfall und kein Chaosunternehmen, kein Irrenhaus und kein Irrgarten. Sie entstammt dem schöpferischen Wohlwollen Gottes. „Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut“ (Gen 1,31).

Wenn wir uns aber umschauen, ist das gewiss ein kühnes Bekenntnis. Es gibt so viele Unkenrufer und Unglückspropheten, es herrscht so viel Zukunftsangst und Resignation. Und es gibt auch den billigen Optimismus, der alles wie selbstverständlich hinnimmt. Christen vergöttern die Welt nicht und sie verteufeln sie nicht. Sie ist für uns ein Ausdruck der schöpferischen Liebe Gottes. Zusammen mit der Würde jedes Menschen ist es die Treue zur Erde, die den christlichen Glauben prägt und auszeichnet.

Unser Credo beginnt mit dem Bekenntnis zu Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde. Alles was ist, trägt das Gütezeichen Gottes. Alles was ist, steht unter der Verheißung Gottes. Er ist in Jesus selbst zur Welt gekommen.

Aber alles trägt auch ein Verfallsdatum: Nichts ist ewig! Nichts in der Welt kann die unendliche Sehnsucht stillen, die Gott in unser Herz gegeben hat. In allem ist etwas zu wenig. Christen sind Menschen, die daheim noch Heimweh haben – nach Gott! Sie lassen sich nicht festlegen auf das, was ist. Sie verachten nicht das, was ist; aber sind darüber hinaus gespannt auf das, was kommt. Unsere Hoffnung greift bis dorthin, wo Gott die Tränen von unseren Augen abwischt und alle, wirklich alle zu ihrem Recht kommen.

Diakon Andreas Wies