Pfarrkirche Waldbreitbach

Zur Geschichte der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt Waldbreitbach

Ob die im 13. Jahrhundert erbaute Kirche, von der heute noch der Turm erhalten ist, schon eine Vorgängerin hatte, kann so nicht behauptet werden; es ist aber sehr stark zu vermuten. Mag es auch ein einfaches Holzkirchlein gewesen sein, dem Wind und Wetter und Kriegszeiten arg zusetzten, ganz gewiss war vor der letzten Kirche, deren spätromanischer Turm mit dem Deutschen Ordenswappen auf die Deutschordensritter als Erbauer hinweist, schon ein Gotteshaus vorhanden. Lange sollte die letzte Kirche, die schon 1767 als zu eng und 1787 als schlecht bezeichnet wird, als Pfarrkirche dienen. Sie hatte einen polygonalen Chor, war 103 Fuß lang und 20 Fuß breit, erhielt 1810 eine Holztonnendecke, das Mauerwerk war aus heimischen Bruchsteinen. Der nach Norden an der Naht von Chor und Schiff sich ansetzende Turm sollte in den Jahren 1876 – 78 einen prächtigen geräumigen Neubau von Schiff und Chor sehen.

Voraus gingen langwierige Verhandlungen: wer hatte die Baupflicht? 1767 hieß es: der Deutsche Orden muss das Schiff, die Gemeinde den Turm und der Dezimator den Chor bauen und unterhalten. 1787 kann man nachlesen: Baupflicht für den Chor hat der Komtur, für das Schiff die kurkölnische Hofkammer, für den Turm die Gemeinde. 1818 war an die Stelle der Deutschordenskommende der Fürst von Wied-Dierdorf getreten, der auch Zehntherr für Kurköln und die Commende geworden war; Baupflicht hatte für den Chor der Dezimator, für die Kirche und den Turm die Pfarrei. So begann denn 1873 der Prozess mit dem Zehntherrn, dem Fürsten von Wied, da die von Wied-Dierdorf ausgestorben und die von Wied-Neuwied an deren Stelle getreten waren. – Wie die Zustände und die Stimmung in unserer Pfarrei zu jener Zeit sich darstellten, geht aus einem Brief des Bürgermeisters Praestinari im Juni 1870 an den Landrat in Heddesdorf hervor:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seit Jahren schwebt der Prozess zwischen dem fürstlichen Haus und hiesigen Pfarramt über den Neubau einer Kirche. Ich halte mich verpflichtet zu erwähnen, dass die Bevölkerung in einer wahren Erbitterung gegen die fürstliche Rentenkammer sich befindet, welche für die Ursache der Verschleppung des Prozesses und wohl nicht mit Unrecht gehalten wird.

Im Sommer geht die Sache noch, aber im Winter, wo ein großer Teil der Leute wegen Überfüllung der Kirche – nachdem sie Stunden Weges schon zurückgelegt haben – vor der Tür stehen müssen und auch bei Kälte, Schnee, Regen unter freiem Himmel dem Gottesdienst beiwohnen gezwungen sind. So kann es nicht länger bleiben. Wenn Euer Hochwohlgeborener etwas in dieser Sache tun können, so bitte ich darum.“

Dank der glücklich erreichten Ablösung der Baupflicht durch den Fürsten von Wied, der 22.000 Taler an die Pfarrgemeinde zahlte, konnte Pfarrer Hermes in den Jahren 1876/78 die heutige stimmungsvolle Pfarrkirche errichten. Der Kostenanschlag lautete auf 27.000 Taler. Die bischöfliche Behörde genehmigten den Neubau mit Schreiben vom 24.12.1874.

Am 7. Januar 1877 fand unter äußerst reger Beteiligung der Pfarrangehörigen die feierliche Grundsteinlegung statt. Der Grundstein wurde sichtbar auf der Evangelienseite neben der Sakristeitüre eingemauert.

Die dem Grundstein beigegebene Urkunde lautet in deutsch folgendermaßen:

„Im Namen der allerheiligsten Dreifaltigkeit, zu Ehren der allerseligsten, in den Himmel aufgenommenen Jungfrau Maria, der Patronin dieser Pfarrei und Kirche, des hl. Johannes des Täufers und aller Heiligen im Jahre 1876, da Pius IX. schon 31 Jahre das Schifflein Petri vom unfehlbaren Lehrstuhle lenkte, da das Vatikanische Konzil noch fortdauert, aber durch die misslichen Zeiten unterbrochen wurde, da Wilhelm I. König von Preußen im 5. Jahre Kaiser von Deutschland war, Wilhelm, Fürst von Wied, regierte, der bischöfliche Stuhl in Trier verwaist war, nach dem Tod des Bekennerbischofs Matthias, der in Verteidigung der Rechte der Kirche Gefängnis erduldet hatte, unter Pfarrer Heinrich Jakob Hermes in schwerster Zeit, da zwischen Staat und Kirche Zwietracht herrschte, die meisten Bischöfe Preußens von ihren Sitzen vertrieben und viele Pfarreien ihrer Hirten beraubt waren, der römisch-katholische Glaube aber in den Herzen der Christgläubigen unüberwindlich blieb, wurde dies Gotteshaus angefangen zu bauen.

Vom Bauunternehmer Johann Pütz aus Limperich bei Bonn nach den Plänen von Reinhold Wirz -Trier, unter der Bauleitung von Kreisbaumeister Johann Hermann, Neuwied, nachdem die frühere Kirche vor fast 600 Jahren in gotischem Stil, mit dem gleichen Turm zusammenhängend nach Osten erbaut, fast zusammenstürzte und die Menge der Gläubigen, die aus den 52 zur Pfarrgemeinde gehörigen Dörfern und Gehöften zum heiligen Opfer zusammenströmen, schon längst nicht mehr fassen konnte und über kurz und lang zur Ruine zu werden drohte und das zum Neubau notwendige Kapital zum größten Teil von Serenissimus Herrn Wilhelm Fürst von Wied freigebigst aufgebracht worden war, der als Zehntherr seine Bauunterhaltungspflicht mit der Summe von 22.000 Talern ablöste und diese dem Kirchenvermögen übergab.

Uns und der Nachwelt, die dieses Gotteshaus fromm besuchen, möge die mächtige Patronin und gütige Mutter, die jungfräuliche Gottesgebärerin, gnädig den heiligen Glauben unversehrt und unerschüttert ruhige Zeiten und reiche Gebetsfrucht von ihrem Sohn, dem König der Herrlichkeit, inständig erflehen in Ewigkeit. Amen.

Waldbreitbach, den 7. Januar 1877, am Tage der Grundsteinlegung.“

(Es folgen die Namen der anwesenden Geistlichen und weltlichen Behörden sowie eine kurze Statistik der Pfarrei.

Bischof Korum konsekrierte die neue Pfarrkirche zu Waldbreitbach bei seiner ersten Visitationsreise auf den Westerwald am 17. Juni 1881.

Gegen Ende des 2. Weltkrieges (1939 – 1945) wurde auch unsere Pfarrkirche durch Artilleriebeschuss schwer mitgenommen. Die Decken von Chor- und Seitenschiffen stürzten ein; alle Gewölbe bekamen Risse; der Turm verlor seine Bedachung; die Fenster wurden des Glases beraubt.

Pfarrer Möhren ließ baldmöglichst die größten Schäden beseitigen. Das Gewölbe des Hauptschiffes hatte noch seine bedenklicher werdenden Risse. Im Jahre 1956 beschloss der Kirchenvorstand, nicht nur die letzten Kriegsschäden im Innern der Pfarrkirche zu beseitigen, sondern auch das Innere des Gotteshauses nach den Plänen von Architekt Helmut Rams, Waldbreitbach, der auch die Fensterentwürfe schuf, umzugestalten. Die Kosten dafür waren mit 80.000 DM veranschlagt. Am 10. September 1956 wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Bereits am Christkönigsfest, am 28. Oktober 1956, konnte die Pfarrgemeinde unter der Leitung ihres Seelsorgers, Pfarrer Werner Sandkaulen, feierlich in die renovierte Kirche einziehen.

Die aus diesem Anlass erstellte Urkunde schließt:

„Eucharistischer Heiland, erhalte uns in wahrer Liebe zu Deinem Tempel; in den Himmel mit Leib und Seele aufgenommene Gottesmutter, sei allezeit dieses Gotteshauses Schutzherrin! Das erbittet am 28. Oktober 1956, dem hohen Festtage, die Pfarrei Waldbreitbach mit ihren 53 Filialen.“

Im Jahre 1972 beschloss der Kirchenvorstand unter Vorsitz von Pastor Otto Berberich die gründliche Instandsetzung und eine den sakralen Erfordernissen entsprechende Restaurierung der Pfarrkirche durchzuführen. In drei Bauabschnitten wurden die Maßnahmen nach Plänen von Architekt Henn, Siebenmorgen, verwirklicht. Neben der Sanierung von Fundamenten, Mauern, Gewölben und Dach sowie der zeitgemäßen technischen Ausstattung wurde das Innere des Gotteshauses unter Anleitung und Mitwirkung der Restauratorin Gisela Schreyögg aus Leutesdorf restauriert und neu gestaltet. Unter anderem wurde der Boden mit Fliesen aus Trierer Sandstein belegt, alte Decken –und Gewölbematerialien wurden freigelegt, der gesamte Innenraum erfuhr einen neuen Anstrich, die Kirchenbänke wurden überarbeitet und in einer neuen Anordnung aufgestellt, zudem wurde im rechten Seitenchor die Taufkapelle errichtet. – An Weihnachten 1977 konnten die Gottesdienste in der Pfarrkirche wieder gefeiert werden.

Diesen Artikel haben wir der Festschrift “750 Jahre katholische Pfarrgemeinde >>Maria Himmelfahrt<< Waldbreitbach” aus dem Jahr 1987 entnommen.

Wir danken den Autoren Alfons Hoffmann, Johann Hohn und Richard Schicker, die uns erlaubt haben, ihren Beitrag hier zu veröffentlichen.

Die Kirchenfenster

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