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WISSENSWERTES: DER THOMANERCHOR
Allein diese Ankündigung zieht weltweit eine Vielzahl von interessierten und begeisterten Menschen in die Konzertsäle, denn Leipzigs berühmter Knabenchor genießt großes internationales Renommee. Und das nicht erst seit heute. Bereits 1920 führte die erste Auslandstournee nach Dänemark und Norwegen. Seitdem wird er neben vielen Konzerten in Deutschland fast jährlich zu ausgedehnten Gastspielen ins Ausland eingeladen. Ob Schweden, Griechenland, Spanien oder Polen, im europäischen Kulturleben ist er längst eine feste Größe. Auch in Asien und Amerika eroberten sich die jungen Sänger durch exzellente Vorstellungen einen wachsenden Kreis von Hörern und beeindrucken immer wieder durch ihre musikalische Professionalität.
Zu Ehren des Thomanerchores wurden Briefmarken gedruckt, selbst ein Schnellzug wurde nach ihm benannt. Die Namensgebung des Asteroiden »Stella Thomana« würdigt zusätzlich das irdische Dreigestirn aus Thomaskirche, Thomasschule und Thomanerchor: die »Thomana«. Der Thomanerchor widmet sich hauptsächlich der Pflege der Kirchenmusik (Musica sacra), speziell den Kantaten, Motetten und oratorischen Werken Johann Sebastian Bachs. Das musikalische Repertoire reicht von der Gregorianik bis zur Moderne.
800 Jahre Zeit- und Musikgeschichte, eine viel beachtete Präsenz in der Gegenwart, eine einmalige, rund um den Thomanerchor entstehende zukunftsweisende kulturelle Bildungslandschaft sowie knapp 100 Knaben und junge Männer mit ihren verschiedenen Charakteren und der gemeinsamen Leidenschaft für Musik. Das ist: der Thomanerchor.
Neben regelmäßigen Konzertreisen, häufigen Medienauftritten und zahlreichen CD-Produktionen ist der Thomanerchor natürlich vor allem in seiner Heimatstadt präsent. Die drei wöchentlichen Auftritte in der Leipziger Thomaskirche sind ein musikalisches Highlight. Über 2500 Menschen, sowohl Leipziger als auch eine Vielzahl von Touristen, zieht es jeden Freitagabend und Samstagnachmittag in die Motette. Hier wird samstags gemeinsam mit dem Gewandhausorchester eine Kantate von Johann Sebastian Bach aufgeführt. Und wie zu dessen Lebzeiten übernimmt der Thomanerchor sonntags an historischer Wirkungsstätte die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes.
Auch aus dem Stadtbild sind die jungen Sänger nicht mehr wegzudenken, vor allem die jüngeren Thomaner in der charakteristischen Auftrittskleidung »Kieler Bluse«, die zu bestimmten Zeiten in die Thomaskirche eilen.
Der Chor setzt zudem mit regelmäßigen und qualitativ hochwertigen Aufführungen der Bachschen Passionen, des Weihnachtsoratoriums und der h-Moll-Messe vielfach beachtete Maßstäbe und prägt nachhaltig das Konzertleben Leipzigs.
Wer schon einmal dabei war, weiß: Der faszinierende Klang dieses Chores ist einfach überwältigend.
Der Beginn der langen und einzigartigen Chortradition liegt beeindruckende acht Jahrhunderte zurück. Im Jahr 1212 – Leipzig besaß erst kurze Zeit das Stadt- und Marktrecht – wurde der Thomaskirche eine Schule angegliedert, wo die Knaben vor allem dafür ausgebildet wurden, den musikalischen Dienst anstelle der Chorherren zu übernehmen. Die Thomasschule war zugleich Leipziger Bürgerkindern zugänglich und gilt daher als Deutschlands älteste öffentliche Schule. Über einen Zeitraum von 300 Jahren blieb sie auch Leipzigs einzige Schule. Der Thomanerchor ist somit Leipzigs älteste Kultureinrichtung.
Die Musik besaß im mittelalterlichen Bildungskanon einen sehr hohen Stellenwert, in ihr sah man die göttliche Ordnung widergespiegelt. Die Thomaner sangen, quasi als Gegenleistung für Schulbildung und Unterkunft, während der Gottesdienste, bei Taufen, Hochzeiten und Begräbnissen sowie Veranstaltungen der Ratsmitglieder.
Im Zuge der Einführung der Reformation in Leipzig kam im Jahr 1543 die Thomasschule, und somit auch der Chor, unter städtisches Patronat. 1553 erhielt die Thomasschule ein neues Schulgebäude, das mit einigen Umbauten bis 1902 stand. Damals lag die Schule direkt neben der Thomaskirche. Rektor und Kantor bewohnten gemeinsam mit den Wocheninspektoren und den Schülern das Thomasschulhaus. Heute leben, lernen und proben die Thomaner im knapp 1000 Meter vom historischen Standort entfernten Alumnat und besuchen das gegenüberliegende Thomasgymnasium. Die kurzen Wege zwischen Schule, Stube und Probenräumen ermöglichen es, neben dem ganz normalen Alltag das hohe Arbeitspensum zu meistern und trotzdem noch genügend Freizeit zu haben.
Und natürlich gibt es auch eine eigene Web-Site www.thomanerchor.de
Pünktlich zum 800. Geburtstag wird der Thomanerchor im März 2012 erstmals in einem abendfüllenden Dokumentarfilm auf der Kinoleinwand zu erleben sein. Durch die persönlichen Geschichten der Thomaner entsteht ein sensibles Portrait, das der Frage nach der Faszination des Traditionsensembles nachgeht. Mehr Informationen dazu und einen Trailer gibt es hier: http://www.accentus.com/de/produktionen/produktionen-details/items/st-thomas-boys-choir.html
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