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Liebe Schwestern und Brüder, in den nächsten Pfarrbriefen möchte ich in mehreren Artikel über die Bedeutung der Heilige Messe schreiben.
Mir ist klar, dass man das „Geheimnis des Glaubens“ nicht erklären kann, aber ich möchte diese Artikel als Anregung und Vertiefung zum Verständnis des Inhaltes und der Riten verstanden wissen.
Pastor Josef Mettel
Die Heilige Messe beginnt zu Hause!
Die Heilige Messe beginnt mit meiner inneren Einstellung; die Theologie sagt: Mit der „Disposition“, mit einer inneren Vorbereitung auf das Geschehen. Als Christen sind wir nach dem Kirchenrecht zum Sonntagsgottesdienst verpflichtet. Diese Verpflichtung ergibt sich aufgrund unserer Taufe, unserer Firmung und durch die daraus sich gegebene Zugehörigkeit zum Volke Gottes, das sich in der Mahlgemeinschaft – in der Eucharistiefeier – versammelt, um seinen Auftrag zu erfüllen, der da lautet: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ Diese Verpflichtung ist kein Zwang, sondern Selbstverständlichkeit, d.h. es versteht sich wie von selbst, dass eine Gemeinschaft nur bestehen kann, wenn man sich einbringt und daran teilnimmt (nicht absitzt). „Communio“ d.h. Gemeinschaft wird von IHM her gestiftet. Gemeinschaft entsteht dort, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind; da ist ER mitten unter ihnen (Mt 18.20). Wenn ich zur Messfeier am Sonntag oder am Werktag gehe, brauche ich nichts Besonderes mitzunehmen; ich gehe mit meiner inneren Bereitschaft zu IHM und dem Wunsch, IHM zu begegnen im WORT und SAKRAMENT. Ich nehme mein Leben mit so wie es ist: Meine Freude, meinen Dank, meine Sünden, meine Zweifel, meine Leere, meine Hoffnung. Ich darf IHM begegnen. Ich darf anders nach Hause gehen als ich gekommen bin. Ein alter Wunsch, der oft an Kirchenportalen stand lautet: Bonus intra! Melior Exi! d.h. Als Guter tritt ein, als Besserer geh hinaus. Ist das nicht eine schöne Einladung, die über jeder Kirchentür stehen müsste?
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2. Wortgottesdienst - oder ein Wort von dir genügt!
Wortgottesdienst. Diese Bezeichnung macht deutlich, worum es geht: Es geht in diesem Teil der Hl. Messe hauptsächlich um „Sein Wort“, das Wort Gottes. Wenn der Priester mit den Messdiener/innen aus der Sakristei auszieht, spricht er vorher ein Gebet aus dem Psalm 121: „Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn. Der Himmel und Erde erschaffen hat“: So beginnt der Gottesdienst für alle, die sich in der Sakristei vorbereiten. Sakristei ist keine Umkleidekabine, wie wir sie vom Sport her kennen, sondern Vorbereitungsraum für den Gottesdienst.
Der dann folgende Einzug soll an den Einzug Jesu in Jerusalem erinnern. Bei festlichen Gottesdiensten mit Weihrauch, Leuchter und Kreuz wird das besonders deutlich. Jesus zieht ein in seine Stadt, in sein irdisches Jerusalem, der Ort, an dem er das Abendmahl gehalten, gewacht und gebetet hat; an dem er das Kreuz auf sich nahm und es hinauftrug nach Golgotha und wo er, erhöht am Kreuz, die Welt erlöst hat. Ort der Auferstehung und Geistsendung. All das ist Jerusalem. In diesem Wort steckt auch das Wort Shalom, d.h. Frieden. Die Hl. Messe ist Opfer der Versöhnung, Gastmahl des Friedens. In ihr feiern wir seinen Tod und seine Auferstehung.
Der Priester geht nach der Kniebeuge zum Altar und küsst ihn, Zeichen der Verehrung. Denn der Altar steht für Christus. Der Altar ist Mittelpunkt, Opfertisch und hl. Stätte, an der das Liebesmahl des Herrn gefeiert wird. Ein Kind sagte einmal: „Wenn der Priester den Altar küsst, will er Gott damit besonders loben!“ Mit dem Kuss sind die Orientalen und die Südeuropäer großzügiger als wir. Papst Johannes Paul II. küsste bei Staatsbesuchen beim Betreten des Gastlandes stets die Erde. Er wollte sagen: Du bist mir besonders wertvoll. Christus ist der Stein, der Eckstein, den die Bauleute verwarfen, er ist nun zum Altar geworden (vgl. Offb 8,3 und Apg 4,11).
In feierlichen Gottesdiensten wird Weihrauch verwandt. Weihrauch ist Symbol für das aufsteigende Gebet. So heißt es im Ps. 140: „Wie Weihrauch steige mein Gebet auf zu dir, o Gott. Im Blick auf die Offenbarung des Johannes beten wir: Gott möge das Opfer annehmen aus unseren Händen zum Segen für uns und seine ganze Heilige Kirche.
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3. Wortgottesdienst
„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20)
Nach Einzug, Eingangslied und Altarkuss geht der Priester und alle, die ihn begleiten an den vorgesehenen Platz. Mit dem Kreuzzeichen wird die Messe nun eröffnet, im Namen des Dreifaltigen Gottes. Die Gläubigen haben bereits beim Eintritt in die Kirche das Kreuzzeichen mit dem Weihwasser gemacht, um sich an die Hl. Taufe zu erinnern. In seinem Namen sind wir hier versammelt, der uns in der Hl. Taufe zu seinem Volk erwählt hat. Das Kreuzzeichen ist also ein Glaubensbekenntnis, dass wir durch Taufe, Firmung und die Hl. Eucharistie zum Volk Gottes des Neuen Bundes gehören.
Wir begrüßen den Kyrios, den König!
Im Kyrie grüßen wir Christus, den eigentlichen „Hausherrn“. Es gehört zweifellos zu den ältesten Gebeten in der Hl. Messe. So flehten die Christen bereits in den Katakomben zu Gott: „Kyrie eleison!“ d.h. „Herr, erbarme dich unser!“ Dieser Begrüßungsruf ist griechisch; es ist ein universaler Ruf, ein Gebet, ein Gruß, eine inständige Bitte. Weil es dreimal gerufen oder gesungen wird, erinnert es an den Dreifaltigen Gott. Es gibt wunderbare mehrstimmige Gesänge großer Musiker, z. B. Haydn, Mozart, Beethoven, Bruckner usw. Sie wollen durch Gesang die Gläubigen im Gebet begleiten und zu Christus führen.
Gloria!
Der erste Satz dieser „Symphonie“: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden den Menschen seiner Gnade!“ heißt: Römischer Triumph! Das Gloria stammt ab von den Rufen, die – mit dem Kyrie eleison – beim Triumphzug des Triumphators über die Via sacra zum Tempel des Jupiter Capitolinus geschrieen wurden, und zwar in verschiedenen Chören und Gruppen. Da ruft einer „laudamus te!“ – dort eine Schar „benedicamus te“ usw. Ursprung des Gloria-gesangs ist der Lobgesang der Engel in der Geburtsstunde des Erlösers, wie Lukas berichtet: „Und plötzlich war bei dem Engel eine Menge himmlischer Heerscharen, die Gott lobten und sprachen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden, die guten Willens sind“ (Lk 2,14). In diesem Gesang drücken wir all unseren Lobpreis aus, machen wir Gott „regelrecht Komplimente“ (Prof. Fischer): „Du allein bist der Heilige, du allein der Herr, du allein der Höchste: Jesus Christus, mit dem Heiligen Geiste zur Ehre Gottes des Vaters, Amen!
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4. Wortgottesdienst
Ich lobe Christus, „ganz nahe soll sein Wort mir sein“
Lesung und Evangelium
„Zwei Jünger des Herrn waren unterwegs zu einem Dorf namens Emmaus. Sie sprachen über alles, was sich ereignet hatte. Während sie miteinander redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen. Er erklärte ihnen alles, was in der Heiligen Schrift über ihn geschrieben steht. Da gingen ihnen die Augen auf und sie erkannten ihn beim Brotbrechen. Sie sagten zueinander: „Brannte uns nicht das Herz in der Brust als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?“ (vgl. Lk 24,13ff)
Die Heilige Messe besteht aus zwei Teilen, die zusammen ein Ganzes bilden: eine einzige liturgische Handlung. Um es mit den Worten des Emmaus-Evangeliums zu sagen: Im Vortragen und Erklären der Hl. Schrift und im Brechen des Brotes. Im Wortgottesdienst geht es um das Wort Gottes, in der Eucharistiefeier um das Brechen des Brotes. Das Zweite Vatikanische Konzil sagt: „Gegenwärtig ist Christus in seinem Wort, da er selbst spricht, wenn die Heiligen Schriften in der Kirche gelesen werden“. Er spricht also selbst zu uns, es ist Christus, der uns erbaut und unser „Herz brennend“ macht. ER muss zuerst selbst zu uns sprechen, bevor uns die Augen für seine Gegenwart aufgehen.
In einem der neuen Hochgebete heißt es: „Wir preisen dich, Heiliger Vater, denn du bist immer mit uns auf dem Weg, besonders, wenn Jesus, dein Sohn uns versammelt zum Mahl der Liebe. Wie den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus deutet er uns die Schrift und bricht uns das Brot“.
Deshalb stehen wir auf, wenn das Evangeliar vom Diakon oder Priester in feierlicher Form zum Ambo (Lesepult) getragen und das Halleluja angestimmt wird. Wir grüßen ihn, der alle Wege mit uns geht, der zu uns spricht und uns den Sinn der Schrift deutet. Die Verehrung seines Wortes wird in feierlichen Gottesdiensten durch Inzens mit Weihrauch besonders herausgestellt; in manchen Orten läutet während des Verlesens des Evangeliums die Glocke, damit auch die Kranken hören: Jetzt wird „Sein“ Wort vorgelesen, später bei der Wandlung: Jetzt ist er im Heiligen Brot gegenwärtig.
Der Diakon oder Priester küsst das Evangelium, um zu zeigen: Ich liebe das Wort Gottes inniglich, so wie der Altar, den er vorher geküsst hat, will er sagen: Ich lobe Christus, „ganz nahe soll sein Wort mir sein“. (vgl. Lied GL: 462,2)
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5. Wortgottesdienst (letzter Teil)
Die Predigt Mit der Predigt ist es oft wie mit dem Kochen; mal ist ein Gericht kräftig, deftig; mal leicht, gut bekömmlich; mal auch schwer verträglich; ein andermal festlich oder auch wie ein Eintopf. Der Koch muss den Geschmack seiner „Kunden“ treffen; er muss ein gewisses „Fingerspitzengespür“ haben, was geht und was geht nicht. Die Predigt soll die gehörten Texte verlebendigen; nicht mit eigenen Worten wiederholen, sondern die Texte vertiefen und in den Alltag hinein übersetzen, so dass am Ende die Hörerin und der Hörer sagen kann: „Ich habe heute etwas von der Predigt mitgenommen!“ Das wäre das schönste Kompliment für den Prediger, wenn er eine solche Rückmeldung bekäme. Die Predigt orientiert sich an den biblischen Texten; in der Regel am Evangelium. Die Predigt ist kein Dogma, sie soll zum Nachdenken anregen und eine Ermutigung zum christlichen Leben sein.
Das Credo Das Credo gehört ursprünglich zum Taufritus, nicht zur Hl. Messe. Deshalb wird das Credo auch in Singular, „ich glaube“ angefangen. Im Jahre 1040 wird das Credo für die Sonntage als Taufbekenntnis angeordnet. Das Kreuzzeichen am Anfang und das Credo nach der Predigt sind zwei Elemente der Tauferneuerung und des Taufbekenntnisses. Auch der sonntägliche Asperges hat die Funktion, das Taufversprechen zu erneuern.
Das Credo ist mehr als ein Glaubensbekenntnis und als eine Tauferneuerung aus rein gedanklicher Erinnerung. Das Credo will den Glauben feiern. Das Glaubensbekenntnis drückt die Grundwahrheiten des christlichen Glaubens aus. In diesem Bekenntnis weiß ich mich verbunden mit der langen Tradition der Kirche, aber auch mit der ganzen Welt, ob in Rom, in Paris, in New York oder Rio; es wird weltweit jeden Sonntag gesprochen, der Glaube wird gefeiert.
Die Fürbitten Das Wort sagt es bereits: Es sind Bitten für andere. Wir beten zunächst nicht für uns selbst, sondern für andere. Das ist die erste Grundregel. Wir beten für alle, die räumlich nicht anwesend sind. Zuerst soll für die Verantwortlichen in der Kirche, Politik, Gesellschaft und für die Pfarrgemeinde gebetet werden; es sind die verschiedenen (aktuellen) Anliegen aufzugreifen, besonders auch für die Kranken und die Verstorbenen. Spiritualität, Würde, Aktualität, verständliche Sprache sollen Kennzeichen des Fürbittgebetes sein. In den Fürbitten geht es nicht darum, den moralischen Zeigefinger zu heben wie z. B. „dass unsere Eltern endlich einsehen sollen, dass sie auf dem falschen Weg sind“. Wir brauchen Gott auch nicht vorzuschreiben, woran er denken soll. Er will aber, dass wir ihm sagen, wo „der Schuh drückt“. Er sieht auch auf das Verborgene, er hört auch auf das, was nicht ausgesprochen ist.
Mit dem Fürbittgebet endet der Wortgottesdienst; der Priester verlässt den Priestersitz und bereitet den Altar für die Feier der Eucharistie.
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Eucharistiefeier (Teil 1)
Der zweite Teil der Hl. Messe heißt: Eucharistiefeier. Sie beginnt mit der Opferung, der Gabenbereitung. Der Priester verlässt den Priestersitz, von wo aus er den Wortgottesdienst geleitet hat, und geht zum Altar. Die angereichten Gaben, Brot und Wein, werden emporgehoben und dabei wird vom Priester (leise) ein Lobpreis gesprochen, während die Gemeinde in der Regel ein Lied singt und die Kollekte eingesammelt wird.
Die Darbringung der Gaben für die Hl. Messe war in den früheren Jahrhunderten ein mühseliges Werk. Es beanspruchte vor allem den Küster, darum erhielt er auch in manchen Gegenden Deutschlands den Namen „Offermann“ oder Oppermann“ (in Anlehnung an das lateinische Wort: Offere = darbringen (der Gaben).
Mit dem Opfer wurden auch andere Gaben für die Bedürfnisse des Gotteshauses dargebracht: Wachs, Öl, Wein etc. Auch für den Unterhalt der Altardienste musste gesorgt werden, ebenso eine Gabe für die Armen. Der Diakon, der über die vier Verwendungsbereiche wacht, wird damit auch der Wächter über die Gaben. Im Kanon (Hochgebet) der Kirche gibt es ein eigenes Gebet zur Segnung der bei der Messe nicht verwendeten Naturalien. Später tritt an die Stelle der Gaben eine Geldspende. Oft spricht man noch vom „Opferteller“, weil er eine Nachbildung und eine Erinnerung an die Patene (Brotschale) sein soll.
Das Gebet, das der Priester in der Regel leise spricht, während er die Gaben emporhebt, ist dem jüdischen Haus- und Familiengebet entnommen: Gepriesen bist du, Herr unser Gott, Schöpfer der Welt. Du schenkst uns das Brot/den Wein ... die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit ... Wir bringen dieses Brot, diesen Kelch vor dein Angesicht, damit er uns das Brot des Lebens, der Kelch des Heiles werde ... Auch die Hl. Familie sprach diese Worte, sei es in Nazareth oder auf der Flucht nach Ägypten oder sonst wo ...
Unser Opfergebet versetzt uns in die Gebetsgemeinschaft mit den Betern aller Zeiten. Der Weihrauch, der nun die Gaben „verehrt“ ist ein Zeichen dafür, dass Gott dieses Opfer annehme wie er die Gaben seines Dieners Abel angenommen hat. Danach wird der Zelebrant und dann die Gemeinde mit dem Weihrauch „geehrt“. Mit dem Gabengebet endet die Gabenbereitung. Es enthält oft sehr kostbare Gedanken, z. B. da ist von einem „heiligen Tausch“ die Rede. Gott schenkt uns die Gaben Brot und Wein und ER verwandelt diese Gaben zu seiner Gegenwart, in Leib und Blut seines Sohnes durch die Kraft des Hl. Geistes. Gott schenkt dem Menschen die Gaben, der Mensch schenkt sie Gott, ER gibt sie den Menschen als „Speise des ewigen Lebens“ wieder.
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Eucharistiefeier (Teil 2): „Tätige Teilnahme“
Gedanken zum Hochgebet
Das II. Vatikanische Konzil hat uns einen Leitgedanken für die Gestaltung der Liturgie vorgelegt: „Die tätige Teilnahme!“ (participatio actuosa); die Gläubigen haben Teil an dem Geschehen; sie sind nicht irgendwie Besucher wie bei einem anderen Geschehen (z.B.: Konzert). Der Katechismus spricht von dem „gemeinsamen Dienst“, der sich auf das ganze Volk Gottes bezieht. „Tätige Teilnahme“ darf nicht mit Aktionismus verwechselt werden, so als müsse es viele Aktionen innerhalb der Liturgie geben. Das Wort „Teil-Habe“ macht deutlich, dass alle an IHM teilhaben. Im „Großen Gebet“ (in der „Oratio“) ist der Kern des liturgischen Geschehens ausgedrückt.
Das Kernstück der Eucharistiefeier ist der „Kanon“, das Hochgebet. Hierin wird deutlich, dass der eigentlich Handelnde Christus selbst ist. Der Priester am Altar spricht im „Ich“ des Herrn; in der Person Christi. Dieses Handeln Gottes an uns ist die eigentliche Aktion, sein Handeln an seinem Volk; wir sind die Empfänger seines Tuns. Die Präfation (dh. vor Gott sprechen) ist der erste Teil des Hochgebetes; der Priester lobt stellvertretend für die Gemeinde des Herrn Gottes große Taten. Es gibt heute 96 Präfationen, in früheren Zeiten gab es 267 Präfationen (Sacramentar von Verona). Die Gemeinde antwortet mit dem dreimaligen „Heilig“; es ist der Ruf des Volkes Gottes, der an den Einzug Jesu in Jerusalem erinnert: „Hochgelobt sei der, der da kommt im Namen des Herrn“. In diesem Teil spüren wir alle (Priester und Gemeinde) Gott selbst handelt, er verwandelt, er teilt aus... Wir können „nur“ preisen, danken, loben, empfangen. Selbst unser Lob kann seine Größe nicht vermehren (Präfation). Jeder ist also, wer Liturgie aufrichtig vollzieht, ein Beschenkter. Das Hochgebet endet mit dem „Amen“ der Gläubigen, nachdem der Priester die Gaben erhebt und singt (bzw. spricht): „Durch IHN und mit IHM und in IHM ist dir Gott, allmächtiger Vater, in der Einheit des Heiligen Geistes alle Herrlichkeit und Ehre, jetzt und in Ewigkeit“.
Amen.
Das ist das wichtigste „Amen“ in der ganzen Heiligen Messe; „Amen“ ist die lautstarke Zustimmung der Gläubigen, das Ja-Wort der Gemeinde zu dem, was an Lob und Dank ausgedrückt wurde.
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Eucharistiefeier (Teil 3): Die Kommunionfeier – Das Vater-Unser
„Herr lehre uns beten“
Nach dem Hochgebet leitet der Priester ein in das „Gebet des Herrn“.
Jesus selbst hat es die Jünger gelehrt. Die Jünger hatten ihn einst darum gebeten:
„Herr lehre uns beten“. So sprechen denn auch wir. Lehre mich einsehen, dass ohne Gebet mein Inneres verkümmert und mein Leben ohne Gebet Halt und Kraft verliert. Zuerst aber ist Gebet Gehorsam und Dienst: „Erleuchte mich, dass ich den Dienst in Treue tue“ (Romano Guardini).
Die Jünger hatten Jesus beim Gebet beobachtet; wie kleine Kinder, die den Papa bei einer wichtigen Aufgabe beobachten und dann sagen: Papa, zeige uns das auch mal, wie das geht! Das Gebet ist an den Himmel gerichtet; es lobt und preist den Vater im Himmel. Aber es enthält auch wichtige und anspruchsvolle Bitten wie z.B.: „Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“. Wir beten es so selbstverständlich und oft genug schaffen wir es nicht, ein wenig das zu beherzigen: den Schuldigern zu vergeben. Papst Gregor der Große hat dieses Gebet des Herrn vor dem Mahl eingefügt (600 n. Chr.). Vorher stand es als Danksagung nach der Hl. Kommunion. Auch die Bitte „Dein Wille geschehe“ wird so schnell gesprochen. Und über manchen Todesanzeigen steht es. Ob sein Wille immer auch von uns so selbstverständlich nachvollzogen wird? Jesus in einer sehr qualvollen Stunde: „Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“
Die sieben Bitten im Vater-Unser bringen unser ganzes Leben an seinen Tisch. Unser Leben wird – bevor wir IHN empfangen – noch einmal als unsere Gabe dargebracht. Weil das Vater-unser auch um „Vergebung“ bittet, wird im so- genannten „Embolismus“ (Einschub zum Vater-Unser)
“Erlöse uns, Herr, allmächtiger Vater von allem Bösen, und gib Frieden in unseren Tagen: Komm uns zu Hilfe mit deinem Erbarmen und bewahre uns vor Verwirrung und Sünde, damit wir voll Zuversicht das Kommen unseres Erlösers Jesus Christus erwarten“
um den Frieden gebetet, den die Welt so nicht geben kann: den Frieden, den nur Gott allein schenken kann. Es ist der Friede Gottes, der durch seinen auferstandenen Sohn Jesus Christus uns zugesagt ist. Der Friede geht von dem Auferstandenen aus; vom Altar aus. Justin kennt den Friedensgruß, mit dem sich manche immer noch schwer tun, im 2. Jahrhundert, damals vor der Opferung, wahrscheinlich in Anlehnung an das Herrenwort:
„Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst ... geh hin und versöhne dich und dann komm!“ Der Friedensgruß ist mehr als Gruß, er ist Aufgabe und Auftrag.
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Eucharistiefeier (Teil 4): Die Kommunionfeier – Kommunion
„Brechen des Brotes”
Nach dem Friedensgruß erfolgt das „Brechen des Brotes“. Im Emmaus-Evangelium (Lk 24,31) heißt es: „Sie erkannten ihn beim Brechen des Brotes“.
Am Altar geschieht etwas, was im Orient auch heute noch Sitte ist: Man bricht das Brot, bevor man es isst und teilt es mit dem Gast. Von diesem kleinen, unscheinbaren Gestus hat die Heilige Messe ihren ersten Namen empfangen: „Fractio panis“ = Brotbrechung. Das Brotbrechen soll ein Zeichen sein: Das eine Brot für viele! Von dem einen Brot, das Christus ist, wird die ganze Kirche genährt. Früher hat man das Brot (mit dem Messer) gesegnet. Der Vater tat dies, schnitt Scheibe für Scheibe ab und gab sie weiter. So hat Jesus beim Letzten Abendmahl das Brot genommen, dankte und gab es seinen Jüngern. So erinnert der Apostel Paulus daran: „Ist das Brot, das wir brechen, nicht die Gemeinschaft mit dem Leibe Christi?“ Weil es e i n Brot ist, so bilden wir vielen e i n e n Leib! Wir nehmen ja alle an dem einen Brot teil“ (1 Kor 10,16-17).
Beim Brechen des Brotes wird ein kleiner Teil der Hostie abgebrochen und in den Kelch gegeben. Bei der Mischung (Mixtio) der kleinen Partikel Hostie mit dem Blut Christi spricht der Priester leise: „Das Sakrament des Leibes und Blutes Christi schenke uns ewiges Leben“. Dieser Ritus will sagen: Leib und Blut Christi gehören zusammen.
Beim „Lamm-Gottes-Gebet“ bitten wir zweimal um sein Erbarmen und am Schluss bitten wir um seinen Frieden. Das „Lamm“ bringt ein alttestamentliches und neutestamentliches Bild zum Ausdruck: Das Pascha-Lamm (Ex 12) ist das makellose Lamm, mit dem die Türpfosten bestrichen werden, sein Mahl ist Zeichen des Aufbruchs aus der Knechtschaft in das Gelobte Land. Jetzt wird das alles im Gottes-Lamm gegenwärtig. ER hat durch sein Kreuzesleiden die Welt mit dem Vater versöhnt; unser Oster-Lamm ist geschlachtet und bringt der Welt den Frieden (vgl. 1 Kor 5,7).
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Die Heilige Kommunion
Der hl. Cyrill von Jerusalem sagt uns am Ende des 4. Jahrhunderts in seinen Anweisungen für die Neugetauften: „Der Empfänger der Hl. Kommunion strecke die linke Hand aus, legt darauf wie auf einen Thron die rechte Hand, dann nimmt er den Leib des Herrn entgegen und sagt auf das Wort des Spenders: „Der Leib Christ“: „Amen“.
Selbstverständlich nahm der Kommunizierende auch den Kelch mit dem Blut Christi, den der Priester (Diakon) ihm reichte.
An Gründonnerstag wird in vielen Gemeinden die Kommunion unter beiderlei Gestalten gereicht; aus vielerlei Gründen ist das sonst nicht üblich. Das „Amen“ des Kommunionempfängers ist sein Glaubensbekenntnis. „Amen“ sage ich zu dem, der auf meiner Hand oder auf meiner Zunge liegt. Das ist mein Glaube: Es ist Jesus Christus, der Herr. Es ist derselbe, der beim Abendmahl vor seinem Tod gesagt hat: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird!“ Er hat gesagt: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“. Es ist der gekreuzigte und auferstandene Herr. Es ist derselbe, der den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus das Herz brennend machte und ihnen die Schrift erklärte. Es ist Jesus Christus, der Herr.
Es ist keine Erinnerung, kein Bild, kein Symbol für etwas (wie andere es glauben), sondern ER ist es selbst: Christus, das lebendige Brot vom Himmel; „wer ihn isst, hat das Leben in Fülle“ vgl. Joh 6,33.
Die Worte reichen nicht aus, um zu beschreiben, was hier auf meiner Hand liegt. Es ist das Geheimnis meines Glaubens. Mein Amen drückt aus, dass ich vor diesem Wunder sprachlos bin (Thomas von Aquin). Ich kann nur staunen; ihn preisen und ihm danken. Mein Jesus, mein Ein und Alles. Diesen Jesus Christus trage ich in mir; er bleibt bei mir, er trägt mein Leben als guter Hirt durch diese irdische Zeit; er trägt mich heim zum Vater; denn wer an ihn glaubt, lebt auch, wenn er gestorben ist, vgl. Joh 6,50.
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Der Schluss
Die Hl. Messe ist keine Feier mit einem pompösen Schlussakkord oder mit einem feierlichen Finale, so wie etwa im Theater, wo noch mehrmals der Vorhang auf- und zugeht. Der Schluss ist kurz und eindrucksvoll. Die Gemeinde hat den Tod und die Auferstehung des Herrn gefeiert. Sie waren nicht einfach Besucher, sondern Teilnehmer dieses Geschehens.
Die Hl. Messe ist Sendung. Der Gläubige wird mit dem Gruß des Priesters oder des Diakons entlassen: „Geht hin in Frieden!“ früher hieß es: „Ite missa est!“ Er hat den Frieden des Auferstandenen empfangen, diese Gabe soll nun „draußen“ weiterwirken.
Die Hl. Messe ist Sendung in den Alltag. Hier lege ich Zeugnis ab (Martyria) von dem, der mich in der Hl. Taufe zu seinem geliebten Kind erwählt hat; der mich in der Hl. Firmung mit dem Hl. Geist ausgerüstet hat, der mich durch das Bußsakrament wieder aufgenommen hat in seinen Frieden: Der Dreifaltige Gott. So kann ich wieder „in Frieden“ gehen.
Der Priester kann am Ende den „einfachen Segen“ über das Volk spenden (oratio super populum) oder den feierlichen, dreiteiligen Segen herabrufen, worauf die Gemeinde nach jeder Segensbitte mit einem „Amen“ antwortet. Auf den Segen und den Wunsch: „Geht hin in Frieden“ kann man nur noch sagen: „Dank sei Gott dem Herrn!“ Das letzte Wort in der Kirche ist ein Dank an den Herrn für alles, was der Gläubige empfangen hat. Man könnte sagen: Jetzt ist die Hl. Messe aus. Aber man kann auch sagen: Jetzt beginnt die Hl. Messe zu wirken. Die gefeierte Eucharistie (Danksagung) ist keine religiöse Dekoration unseres Lebensgefühls, sondern „heilsgeschichtliches Ereignis“, es ist „Quelle und Höhepunkt christlichen Lebens“ (II. Vat. Konzil). ER hat sich für mich hingegeben, damit ich durch IHN lebe. Der Mensch soll als Erlöster und Beschenkter seinen Weg weitergehen.
Mit diesen Artikeln über die „Hl. Eucharistie“ konnte ich nicht die Tiefe und das Wesen der Hl. Messe „erklären“; die Hl. Messe ist ein „Geheimnis des Glaubens“. Ich wollte ein paar Verständnishilfen geben, warum das eine oder andere so gestaltet oder so formuliert ist und was die Riten bedeuten. Ich hoffe, ich konnte Ihnen damit eine kleine Hilfe geben.
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