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Kurzbiografien: Chor und Kantor

 

Kurzbiografie des Thomanerchors Leipzig

Die Geschichte des Thomanerchores umspannt fast 800 Jahre und wurde von politischen, städtischen, religiösen und schulischen Auseinandersetzungen geprägt.
Die Thomaner leben gemeinsam im Alumnat und lernen in der Thomasschule zu Leipzig. Die Hauptwirkungsstätte des Chores ist
die Leipziger Thomaskirche. Der Chor ist nur ein halbes Jahrhundert jünger als die Stadt selbst und damit ihre älteste kulturelle Einrichtung überhaupt.

Im Jahre 1212 bestätigte Otto IV. auf dem Reichstag zu Frankfurt die Gründung des Augustiner-Chorherrenstiftes zu St. Thomas, die
Markgraf Dietrich der Bedrängte von Meißen veranlasst hatte. Zum Stift gehörte eine Klosterschule, die geistlichen Nachwuchs heranbilden sollte, bald aber auch Knaben zugänglich wurde, die nicht im Stift wohnten. Bestandteil der Ausbildung war von Anfang an der liturgische Gesang.

Die Reihe der berühmten Thomaskantoren eröffnete Georg Rhau, in dessen zweijährige Amtszeit das berühmte Streitgespräch zwischen Martin Luther und Johann Eck fiel. Die Kantoren wechselten anfangs häufig. Sethus Calvisius aber war bereits zwanzig Jahre lang, von 1594 bis 1615, Thomaskantor. Ihm folgten u.a. Johann Hermann Schein (1616–1630) und Johann Kuhnau (1701–1722). Am 31. Mai 1723 wurde Johann Sebastian Bach in das Amt eingeführt, das er 27 Jahre innehatte.

Die Reihe der für die evangelische Kirchenmusik bedeutsamen Thomaskantoren setzt sich über Gottlob Harrer, Johann Friedrich Doles, Johann Adam Hiller, August Eberhard Müller, Johann Gottfried Schicht, Christian Theodor Weinlig, Moritz Hauptmann, Ernst Friedrich Richter, Wilhelm Rust, Gustav Ernst Schreck, Karl Straube, Kurt Thomas, Erhard Mauersberger, Hans-Joachim Rotzsch bis zu Georg Christoph Biller fort.

Mit der Entwicklung der Massenverkehrsmittel im 20. Jahrhundert begann auch eine rege Konzerttätigkeit des Thomanerchores im In- und Ausland. Längst hatte der Chor einen herausragenden Platz im Musikleben der Stadt. Die Motetten- und Kantatenaufführungen freitags und samstags in der Thomaskirche waren als kirchenmusikalische Ereignisse zu einer festen Institution geworden. Unter Straube erhielten die regelmäßigen Aufführungen der Passionen, des Weihnachts-Oratoriums und der h-Moll-Messe von J. S. Bach jenen Glanz, der sich bis heute erhalten hat.

 

 

 

Biografie Thomaskantor Georg Christoph Biller
(geb. 1955 in Nebra/Unstrut)

Er war selbst Thomaner unter Erhard Mauersberger und Hans-Joachim Rotzsch und trat 1992 als 16. Thomaskantor nach Bach sein Amt an.

Georg Christoph Biller studierte Orchesterdirigieren bei Rolf Reuter und Kurt Masur sowie Gesang bei Bernd Siegfried Weber an der Hochschule für Musik „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig. 1976 gründete er das Leipziger Vocalensemble, das er
bis 1998 leitete.

1980 bis 1991 war er Chordirektor des Leipziger Gewandhauschores und daneben als Dozent für Chorleitung an
der Kirchenmusikschule Halle tätig. Außerdem lehrte er Chordirigieren an den Musikhochschulen in Detmold und Frankfurt/Main. Seit 1994 hat Georg Christoph Biller an der Leipziger Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy” eine Professur für Chordirigieren inne und unterrichtet ab 2005 erneut an der Musikhochschule Detmold.

Er errang mehrere Preise für Dirigieren und Gesang und arbeitete als Gastdirigent mit namhaften Chören und Orchestern. Als Lied- und Oratoriensänger gastierte er im In- und Ausland, regelmäßig wirkte er solistisch bei Konzerten des Thomanerchores mit. Engagements führten ihn nach Asien, in die USA, nach Australien und in verschiedene europäische Länder.

Georg Christoph Biller pflegt die große Chortradition von den gregorianischen Anfängen bis hin zur Moderne, widmet sich dem zeitgenössischen Chorschaffen, ist mit vielen Komponisten unserer Zeit eng verbunden und selbst kompositorisch tätig.

Unter seiner Leitung bzw. Mitwirkung entstanden zahlreiche Rundfunk-, Fernseh- und CD-Aufnahmen. Mit dem Thomanerchor produzierte er in den zurückliegenden Jahren mehrere CD-Einspielungen für „Universal/Philips Classics” und seit einigen Jahren für das Plattenlabel „Rondeau“.

 

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