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„Alles ist möglich, wenn man es nur will“
Jugendliche errichteten Mutter-Rosa-Gedenkstätte im Fockenbachtal
Waldbreitbach. Kann man in 72 Stunden die Welt ein bißchen besser machen? Ja, man kann! Das haben Anfang Oktober rund 30.000 Kinder und Jugendliche bei der Aktion „72 Stunden – ohne Kompromiß“ des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Südwesten Deutschlands bewiesen. Insgesamt 1.242 soziale Projekte wurden auf die Beine gestellt – und eines davon auch im Fockenbachtal bei Waldbreitbach. Hier hatte die Familie von Mutter Rosa, der Ordensgründerin der Waldbreitbacher Franziskanerinnen, eine Ölmühle. Auf deren Fundament, das erst im letzten Jahr freigelegt worden war, errichte das Jugendteam der Pfarrgemeinden Waldbreitbach / Niederbreitbach eine Gedenkstätte für Mutter Rosa.
Zeitlimit: Drei Tage
In Holzständer-Bauweise wird die Gedenkstätte errichtet.
Sonntag, 10. Oktober, kurz vor 17 Uhr an einem Wanderweg im Fockenbachtal: Über 40 Jugendliche wuseln emsig um die schöne Fachwerk-Kapelle. „Noch zehn Minuten. Dann ist Schluß“, ruft ihnen Schwester Edith-Maria Schug zu. Die Waldbreitbacher Franziskanerin begleitet die Gruppe seit Beginn der 72-Stunden-Aktion, also seit Donnerstag, 17.07 Uhr. Da fiel nämlich der Startschuß und die Gruppe erfuhr, was sie in den folgenden drei Tagen auf die Beine stellen sollte. Und das war nicht gerade wenig. Zwar wurden die einzelnen Wandelemente in Holzständer-Bauweise von der Firma Stüber Haus gesponsert, geliefert und montiert, aber den Innenausbau und die –gestaltung, den Anstrich und das Decken des Daches mußten die Jugendlichen noch selber bewerkstelligen. Und natürlich noch jede Menge Kleinigkeiten besorgen, an die am ersten Abend noch keiner gedacht hatte, wie beispielsweise Gitter für die Fenster, eine Eingangstür, Fenster, ein Bild von Mutter Rosa, ein Kreuz, Licht für die Baustelle, einen Altar, Heckenpflanzen und, und, und...
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Die wunderschönen Bleiglas-Fenster stammen aus Schloss Dagstuhl (bei Wadern).
Planungen am ersten Abend
„Am ersten Abend haben wir bis Mitternacht in unserem Pfarrheim gesessen und geplant“, erzählt die 16-jährige Julia Reuschenbach. „Welche Materialien brauchen wir, wer kann sie uns geben und wer kann uns beim Bau helfen“, das waren die wichtigsten Fragen. Aber natürlich auch die Suche nach Sponsoren für Essen und Trinken. Doch die waren schneller gefunden als gedacht. Bäckereien, Lebensmittelläden, Getränkemärkte und Gaststätten – sie alle sorgten dafür, daß das leibliche Wohl der Teens gesichert war. Nicht zu vergessen natürlich die vielen Passanten, die da mal einen Kuchen, hier mal ein paar Brötchen oder auch mal etwas zu Trinken vorbeibrachten.
Hand in Hand: Während die einen das Dach deckten, strichen die anderen die Balken.
„Da hat uns Mutter Rosa persönlich geholfen“
Aber zurück zur Aktion. „Was mich am meisten beeindruckt hat?“ Schwester Edith-Maria braucht nicht lange zu überlegen. „Das war die Suche nach den Dachdeckern. Da hat uns Mutter Rosa persönlich geholfen“, lächelt die Franziskanerin. Und es grenzt tatsächlich an ein Wunder, was die Ordensfrau, die sich der Jugendarbeit verschrieben hat, nun erzählt. Nachdem der Rohbau stand, mußten die Jugendlichen Material für ein Dach organisieren – aber kosten durfte es nichts. Die Jugendlichen versuchten per Handy Kontakt zu Dachdeckern aufzunehmen, aber sie bekamen keine Verbindung – ein Funkloch. „Wir waren schon fast am Verzweifeln, als plötzlich ein Wagen mit der Aufschrift „Dachdeckerei“ auf unseren Feldweg einbog“, berichtet Julia Reuschenbach. „Sofort liefen wir dem Wagen entgegen und fragten ganz erstaunt, wer ihm denn gesagt habe, daß wir seine Hilfe bräuchten.“ Der Fahrer war ganz erstaunt und erklärte, daß ihn keiner gerufen habe, er wolle hier nur im benachbarten See angeln. Als er hörte, welches Problem die Jugendlichen hatten, war er sofort zur Hilfe bereit und organisierte das entsprechende Dachmaterial.
Glocke zur Krönung der Kapelle gesucht!
Und dann war da noch die riesige Suchaktion nach einer Glocke. „Wie jede Kapelle sollte natürlich auch unsere eine Glocke haben“, erzählt Pädagogik-Student Thomas Müller , der die Truppe leitet. Über den Radiosender SWR 3 ließen sie einen Hilferuf über den Äther schicken: „Wir suchen eine Glocke bis 50 Kilo, damit wir unserer Kapelle eine Krone aufsetzen können“. Geduld war gefragt, denn lange tat sich gar nichts. Doch dann der erlösende Anruf aus dem St. Josef-Krankenhaus in Bendorf. Die Oberin hatte auf dem Dachboden der Klinik eine historische Glocke gefunden und stiftete sie den Waldbreitbachern. Wieder ein Problem gelöst. „Solche Erfolge motivierten ungemein“, erzählt Schwester Edith-Maria.
Und diese Motivation steckte an. Jede und jeder im Fockenbachtal identifizierte sich mit dem Projekt der Jugendlichen und versuchte, ihnen zu helfen. Da waren die beiden Rentner, die ihnen ein Gerüst liehen und die Dachrinne anbrachten. „Nett waren auch die beiden Damen, die zum Schluß eine Blume und einen Kerzenleuchter für den Altar brachten“, lächelt die Franziskanerin. – Am Ende der Aktion waren alle todmüde, aber auch wahnsinnig stolz, daß sie innerhalb von drei Tagen so ein großes Projekt auf die Beine gestellt haben. „Alles ist möglich, wenn man es nur will“, so lautete das Fazit der Teens – und alle sind sich schon jetzt sicher, daß sie bei der nächsten 72-Stunden-Aktion wieder dabei sein werden.
Viele fleißige Hände trugen dazu bei, daß die Kapelle Form nahm.
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