4. Türchen – Adventskalender 2020

Glücksmomente

In der Hektik und den Sorgen des Alltags gehen Momente des Glücks oft unter. Das Glück liegt zwar sprichwörtlich auf der Straße, aber oft bemerken wir es nicht. Um unser eigenes Glück zu erkennen, ist es wichtig, dass wir es uns immer wieder bewusst machen. Dazu eine kleine Geschichte:

Eine sehr alte, weise Frau verließ ihr Haus nie, ohne vorher eine Handvoll Bohnen einzustecken.
Sie tat dies nicht, um unterwegs die Bohnen zu kauen.
Nein, sie nahm die Bohnen mit, um so die schönen Momente des Lebens besser zählen zu können.
Für jede Kleinigkeit, die sie tagsüber erlebte – zum Beispiel einen fröhlichen Schwatz auf der Straße, ein köstlich duftendes Brot, einen Moment der Stille, das Lachen eines Menschen, eine Berührung des Herzens, einen schattigen Platz in der Mittagshitze, das Zwitschern eines Vogels – für alles, was die Sinne und das Herz erfreut, ließ sie eine Bohne von der rechten in die linke Jackentasche wandern.
Manchmal waren es auch zwei oder drei Bohnen, die auf einmal den Platz wechselten.
Abends saß die weise Frau zu Hause am Kamin und zählte die Glücksbohnen aus der linken Jackentasche. Sie zelebrierte diese Minuten. So führte sie sich vor Augen, wie viel Schönes ihr an diesem Tag widerfahren war, und freute sich darüber.
Sogar an den Abenden, an denen sie nur eine einzige Bohne zählte, war jeder Tag für sie ein glücklicher Tag – es hatte sich gelohnt, ihn zu leben.

Text: Überlieferung
Foto: Erwin Lorenzen / pixelio.de