2. Türchen – Adventskalender 2020

Advenire: ankommen, adventliches

An und für sich komme ich gerne an.

Aber manchmal komm ich mit dem Ankommen nicht voran; es kommt immer etwas dazwischen. Und wenn man mich nach der Ankunft fragt, kann ich nicht sagen, wann ich ankomme und wo. Aber ich komme, das verspreche ich. Ich hab’s vor. Irgendwann werde ich ankommen. Und bis dahin kann es kommen und gehen wie es will.

Und überhaupt kommt da die Frage auf: Was mach ich denn, wenn ich angekommen bin? So ganz und gar angekommen. Wo komme ich denn da hin, wenn ich nirgendwo mehr hinkommen kann, weil ich ja schon angekommen bin?

Vielleicht schieb ich das mit dem Ankommen doch noch ein wenig auf. Das lässt mir dann noch Zeit zum Vorbeikommen und Rüberkommen, und auch das Abhandenkommen hat ja seinen Reiz. Dann kommen ein paar zusammen und helfen suchen. Die kommen dann sozusagen bei mir an. Und zwar gut.

Und dann mach ich auch, dass ich wieder loskomme und weiterkomme – es gibt ja so viel, wo ich mal weiterkommen möchte. Denn bis zum Ankommen möchte ich keinesfalls verkommen. Lieber noch ein bisschen rumkommen und zuvorkommend bleiben. Die Suchenden können ja nachkommen.

Nur umkommen möchte ich dabei nicht! Das hört sich nach Zufrühankommen an. Auch wenn meine Ankunft da, wo alle ankommen, erwartet wird und sie mich sicher abholen kommen, wenn ich ankomme. Aber zu spät kommt man da, glaub ich, nie an. Da kann ich auch später noch hinkommen. Und ist nicht sowieso das Kommende das, was noch auf dem Weg ist, bevor es ankommt? Und der Weg das Ziel?

Derweil such ich mein Auskommen mit den Kommenden und Gehenden und hoffe, dass mein Einkommen mein Auskommen sichert und ich auch mal drankomme, wenn ich dran bin!

Aber das besondere Aufkommen von Sternen und Hirten in dieser Zeit kommt mir so hoffnungsvoll vor, dass mich da leise, wie ein herabkommender Engel, die Ahnung überkommt, dass wir trotz vieler dunkel-geschlossener Türen doch irgendwann alle ganz sicher ankommen. Und dass lange bevor ich letztendlich angekommen bin, mir SEIN Ankommen längst zuvorkommt. Warum nicht im Advent?

An und für sich komme ich wirklich gerne irgendwo an…

Text: Catrina E. Schneider
Foto: Bettina Heiroth / pixelio.de